Über das Schlussfolgern und Super-Schlüsse

Wenn wir zu einer Erkenntnis kommen, dann haben wir sie aus irgendwas geschlossen. Ich bin draußen und stelle fest, dass es ganz schön kalt geworden ist. Ich schließe daraus, dass jetzt wohl der Winter gekommen ist.

Das, woraus wir etwas schließen, nennen wir ab jetzt Prämissen[1]. Das, was geschlossen wird, nennen wir ab jetzt Konklusion[2]. Damit ist dann

Prämisse 1: Es ist ganz schön kalt geworden.  ← das, woraus ich schließe und zur

Konklusion: Es ist jetzt Winter. komme.

In der Philosophie ist es dabei erst mal zweitrangig, ob das, was in den Prämissen behauptet wird, auch tatsächlich stimmt. Es geht nur um den Vorgang des Schließens.

Bei diesem Vorgang lassen sich zwei Arten von Schlüssen unterscheiden:

  • Schlüsse, die man zwar ziehen kann, die aber einer ganz besonderen Rechtfertigung bedürfen. Denn diese Schlüsse sind ganz besonders schnell unlogisch.
  • Super-Schlüsse, die man ziehen kann, ohne, dass man das rechtfertigen müsste. Denn diese Schlüsse sind immer logisch.

Wenn man Logik und Schlüsse hört, dann kann es sehr formal werden. Menschen, die beginnen, sich näher mit Philosophie zu beschäftigen, sind meist erstaunt, wie weit dieses Formalisieren führen kann. Die Logik als wesentliches Gebiet der Philosophie[3] können wir uns  vorstellen wie eine standardisierte Sprache, in der Wörter und Wendungen mit Buchstaben bezeichnet werden, die dann einem mathematisch anmutendem System nach verschoben werden können[4]. In diesem System beweisen wir die Super-Schlüsse. Beweisen bedeutet, zu sagen: Der Schluss ist allein auf Grund seiner Form gültig, daher muss dieser Schluss nicht besonders gerechtfertigt werden. Deshalb sind Super-Schlüsse so interessant.

Mit den Mitteln der Philosophie können diese Super-Schlüsse nicht widerlegt werden. Im echten Leben kann man aber natürlich – und muss es auch ganz besonders gründlich – die Wahrheit der Prämissen hinterfragen. Es zeigt sich eine Tendenz dahingehend, dass die Wahrheit der Prämissen oft völlig egal ist. Zum Beispiel dann, wenn aus Behauptungen Ängste abgeleitet werden. Ob die Behauptungen überhaupt stimmen, ist plötzlich nicht mehr die Frage. Stattdessen wird gefragt, ob die Ängste gerechtfertigt sind, das heißt, ob sie aus den Prämissen ableitbar sind. Im echten Leben ist diese Frage aber nur relevant, wenn die Prämissen wahr sind. Wenn das nicht der Fall ist, dann brauchen wir uns gar nicht mit den Konklusionen beschäftigen, weil diese auf Unwahrheit beruhen. Das Schließen aus Unwahrem, das überlassen wir besser der Philosophie.

Und unser Schluss vom Anfang? Der muss auf jeden Fall gerechtfertigt werden. Das war kein Super-Schluss. Vielleicht ist mir ja kalt, weil ich den ganzen Tag bei strahlendem Sonnenschein und 30° am See saß. Jetzt, wo die Sonne langsam untergeht, stelle ich fest: Es ist ganz schön kalt geworden.

Bald gibt’s:

Mehr zur Form von Schlüssen, die logisch immer gültig sind.

Achtung Fehlschlüsse! (Schlüsse, die logisch immer ungültig sind).

Mehr zur Form von Schlüssen, die besonders gerechtfertigt werden müssen.

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[1] Ursprünglich kommt das Wort aus dem Lateinischen (praemissa, sprich: prämissa) und bedeutet „das Vorausgeschickte“. Es ist also eine Voraussetzung.

[2] Das kommt auch aus dem Lateinischen (conclusio, sprich: konklusio) und bedeutet „Schlussfolgerung“.

[3] Sie ist deshalb Bestandteil der mir bekannten Studienordnungen in der Philosophie (und auch der Mathematik und der Informatik, wenn sich hier auch die einzelnen Systeme ein bisschen voneinander zu unterscheiden scheinen), so die Erfahrung.

[4] A → B. A./schluss/ B. Klingt ganz schön abgedreht und ist es auch. Allerdings fand ich es auf Anhieb viel leichter begreiflich als zum Beispiel Mathematik in der Mittelstufe.

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Ein Gedanke zu “Über das Schlussfolgern und Super-Schlüsse

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